not quite there
In ihrer Ausstellung not quite there verweben Anja Nowak und Letizia Werth zwei künstlerische Praxen, die sich auf unterschiedliche Weise mit Zeitlichkeit, Veränderung und Sprache auseinandersetzen. So entstehen Dialoge zwischen Material, Raum und Erinnerung – stille Tischgespräche zwischen Dingen, die Spuren tragen und Prozesse sichtbar machen.
Anja Nowaks Linien Bilder inszenieren ein sich permanent veränderndes System: Holzpaneele, bespannt mit weißen Haushaltsgummis, reagieren auf Spannung, Dehnung und Zerfall. Die Elastizität der Gummis wird zum Sinnbild eines natürlichen Ablaufs, der sowohl physisch als auch metaphorisch zu lesen ist – ein leises Archiv von Wiederholung, Vergehen und Transformation. Ihre flexible Anordnung im Raum eröffnet einen Austausch mit der Umgebung, wobei Struktur und Auflösung untrennbar miteinander verflochten bleiben.
Letizia Werths Werkserie Elsewhere bringt gebrauchte Haushaltsstoffe ins Spiel – Textilien, die schon Teil von Gesprächen, Alltäglichkeiten und Vergessenem waren. Durch grafische Überarbeitung mit Grafit und Tusche werden diese Tücher aus ihrem funktionalen Kontext herausgelöst und in fragile Bildräume überführt, die wie Fenster in ein Anderswo wirken. Die bewusste Manipulation der Materialien – das Falten, Zeichnen, Aufspannen oder Drapieren – verweist auf eine poetische Verschiebung von Zeit und Bedeutung.
Beide Positionen thematisieren unausgesprochene Geschichten, Erinnerungsspuren und die Bedeutung nonverbaler Kommunikation. Ihre Arbeiten lassen sich als visuelle Protokolle eines Austauschs lesen – zwischen Körper und Material, zwischen Moment und Dauer. In der Gegenüberstellung entsteht ein fein gesponnenes Geflecht, das nicht nur von Zeit erzählt, sondern auch von ihrer Relativität: von verschobenen Rhythmen, gebrochenen Abläufen und der Kraft des Flüchtigen.
Studium der Soziologie und Bildenden Kunst in Magdeburg, Rio de Janeiro und Wien. Nowak arbeitet vorwiegend in den Bereichen Fotografie, Video/Installation und Künstlerinnenbuch. Die Arbeiten der Künstlerin stellen eine komplexe Auseinandersetzung dar, in der sie sich Fragen nach Sichtbarkeit, Vergleichbarkeit und Identität widmet. Einen wichtigen Bestandteil ihrer Praxis bilden Kollaborationen mit Kunst- und Kulturschaffenden. Seit 2023 ist sie Teil des Kollektivs der Fotogalerie Wien.
Ausstellungen / Präsentationen (Auswahl): Artist Statement, Parallel Vienna; FAAP, São Paulo; Editionale 12, Köln; Hangar, Lissabon; Blickle Kino, Belvedere 21 Wien; KunstBuchDonnerstag, mumok Wien; Ve.Sch Wien
Beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit Reduktion und Transformation durch Zeichnung. Durch intensive Betrachtung und gleichzeitige Reflexion entsteht Strich für Strich ein neues Bild mit einer reduzierten Farbpalette von Grafitstift und Tusche, die mit dem natürlichen Farbton der Leinwand oder des Papiers kombiniert wird. Es sind Werke, die sich fließend an den Grenzen von Zeichnung, Malerei und Fotografie bewegen. In ihrer künstlerischen Praxis befasst sie sich mit den mehrdeutigen Grenzen zwischen Fiktion und Realität sowie zwischen Geistigem und Körperlichem und erforscht die Konzepte von Zeit, Raum und Erinnerung.
Ausstellungen / Präsentationen (Auswahl): Galerie Marenzi Leibnitz (Solo); Bildraum 07 Wien (Solo); C.A. Contemporary Wien (Solo); Drawing Now Fair, Paris (Solo); Museion, Bozen-Bolzano (IT); Kunstforum Montafon Schruns; MIET Thessaloniki (GR); Kunstforum Unterland Neumarkt-Egna (IT); 21er Haus Wien. Sie wurde kürzlich mit dem Martin-Rainer-Kunstpreis (IT) und dem Atelierstipendium Wattgasse Wien ausgezeichnet.

