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Jahresthema 2019
LIEBE UND POLITIK
"Ein guter Staat ist darauf angewiesen, dass die Menschen, die in ihm leben, einander „lieben“ – diese Vorstellung ist ein fester Bestandteil der politischen Ideengeschichte. Aristoteles zum Beispiel war der Ansicht, eine Polis, in der die Bürger einander freundschaftlich, also liebend, verbunden sind, sei stabiler, weil die Bürger (Aristoteles hat dabei nur freie Männer im Sinn) sich dann in ihrem politischen Umgang mehr um Gerechtigkeit bemühen und nicht einfach auf die Gesetze verlassen.
Im späteren Verständnis von Politik hingegen wurden Liebe und Staat strikt getrennt; Liebe galt als pure Privatsache. Für die Politik, so denken viele, sei Liebe nur von Bedeutung, sofern sie den Zusammenhalt der Familien sichert, die wiederum als „Keimzelle“ des Staates fungieren sollen. Ganz im Sinne der Ideologie der „getrennten Sphären“, wonach für den Bereich des Privaten andere Regeln gelten als im Bereich des Öffentlichen: hier Selbstlosigkeit und Gemeinsinn, dort Interessensvertretung und Wettbewerb, hier Gefühl, dort Rationalität, hier Großzügigkeit, dort Kalkül und so weiter."

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