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Iris Andraschek

"Horn bei Baden/St. Pölten"

Vernissage: Fr, 21. April 2006, um 19 Uhr
Eröffnung: Stadtrat Hans Hornyik
Es spricht: Mag. Alexandra Schantl, NÖ Kulturabteilung

Iris Andraschek


"Horn bei Baden/St. Pölten"
Zeichnungen und Photographien

Wie der Titel schon vorgibt handelt Iris Andrascheks Ausstellung von der vergeblichen Suche nach Identität(en). Identitäten von Städten/Kleinstädten und deren BewohnerInnen, von dem vergeblichen und oft auch lächerlich wirkenden Versuchen in einer immer konformer und universeller  werdenden, globalisierten Unternehmensumgebung und Unterhaltungsindustrie so etwas wie Individualität zu entwickeln, zu bewaren oder zu finden.  In Heimwerker- Gardening – Einrichtungs- Accessoires-  Fashion- Body Styling – Automobilabteilungen  wird vergeblich nach Dingen gegriffen, die das eigene Leben weiterbringen sollten. Identitäts- Individualitäts-  Universalitäts- und Globalisierungsvorstellungen und Wünsche beißen sich hier sprichwörtlich selbst in den Schwanz.
Ein neues Megaplex mit Freizeitausstattung (Bars, Restaurants, ein Body-Styling-Center etc.) in einer österreichischen Kleinstadt wird eröffnet. Es liegt in weit ausgebreiteter Landschaft nahe der Stadt, schließt an eine dörfliche Wohnsiedlung,  Wiesen und Äcker. Im zweiten Stock des Gebäudes sind Kinos und ein Body- building Center. Im Parterre gibt es eine Reihe von Boxen mit unterschiedlicher  Ausstattung: Irish Pub, Italienische Pizzeria, gestylte Bar, abgetrennt durch dünne Plattenwände. Für die Ausstattung gibt es Firmen, die spezialisiert sind, totale Illusion zu erzeugen: Mistgabeln an den Wänden hier und Fässer als Sitzgelegenheiten, Fischernetze mit Kunststofffischen da und dazwischen polierter Nirosta. Zur Eröffnung wurden junge Krokodile gebraten und an  geladene Gäste gereicht. ... In Andrascheks Arbeiten sichtbar wird den  Menschen der Boden unter den Füssen wackelig. Das wird auch sichtbar in Umgebungen, in denen Inszenierung, “Fake” und Wirklichkeit miteinander verschwimmen wie in den ländlichen Wohnhäusern, die an das Megaplex angrenzen. Computerdesignte Tirolerbalkons, aufgesetzte Giebel, Türme und Erker sind nur mehr Zitate, an industriegefertigten Pappkartoneinfamilienhäusern.
Wie verhält es sich damit in einer quasi  globalisierten Welt. Sind die Personen, die in diesen Häusern wohnen, DörflerInnen, NiederösterreicherInnen, ÖsterreicherInnen, EuropäerInnen, EU-BürgerInnen, Angehörige der westlichen (demokratischen) Welt, ErdenbürgerInnen. Ein wenig von allem? Je nachdem?
Andrascheks Focus in dieser Ausstellung zielt auf  kleinstädtische Umfelder und die Auflösung speziell dieser Umfelder und Identitätsmuster in einer Welt von globalisierter Wirtschaft, Unterhaltungsindustrie und Mediatisierung.
Rocker auf einem Motorradtreffen spielen die für 3 Tage perfekt durchorganisierte Rebellion. Ein Ort wird ausgelagert, alle Einwohner erhalten ein Ticket für ein Ferienwochenende irgendwo. Der Platz wird frei gemacht für eine Gruppe, die vor 20 Jahren noch Furcht einflößte, jetzt als Wirschaftsressource genutzt wird. Der Schaden den die Rocker (Menschen, die für 3 Tage aus ihrem normalen Leben aussteigen) anrichten steht in keinem Verhältnis zum Profit, den sie für den wirtschaftlich mäßig entwickelten Ort bringen.

Aktualisierte Ausschnitte aus dem Text Geteilte Zuversicht  oder "the passion of the real" von Hubert Lobnig 2006

Biografie
Geboren 1963 in Horn, Niederösterreich
1982-1986 Studium an der Akademie der Bildenden Künste Wien (bei Max Melcher)
1986 Freskoschule in Bozen, Italien
1987 Studien an der scuola degli arti ornamentali (Fresko)
1997 – 2000 Teil des künstlerischen Beirates  für Kunst im öffentlichen Raum, Niederösterreich
1995 - 2000 Lehraufträge an der Akademie der bildenden Künste Wien und der Kunstschule Wien
Mitglied der Wiener Secession und von Foto Fluss

PDF-Dokument, 157,09 KB Iris Andraschek
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